Historisches

Baumschulenweg um 1915

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Übersicht zur Geschichte des Kleingartenwesens in Treptow

Jahr Berlin Treptow
1896   Mit der Berliner Gewerbeausstellung im Treptower Park erfährt die Landgemeinde Treptow einen großen Aufschwung.
1901   9. Februar Unter Mitwirkung des Treptower Pflanzervereins Ohm Paul (später Dammweg) wird durch den Zusammenschluss von acht Berliner Laubenkolonien die "Vereinigung sämtlicher Pflanzervereine Berlin und Umgegend“ gegründet.
1903 „Der Laubenkolonist“, das erste Verbandsorgan der Kleingärtner und Siedler erscheint im Januar zum ersten Mal.  
1906   Nach der Fertigstellung des Teltowkanals sinkt der Grundwasserspiegel der umliegenden Wiesen. Damit verlieren sie ihre Bedeutung für die Landwirtschaft und werden zur Kleingartennutzung freigegeben.
1909 Gründung des "Zentralverbandes Deutscher Arbeiter- und Schrebergärtner". Berlin tritt dem Verband nicht bei.  
1910 Zur Weitervergabe von Laubenland wird eine Landpacht-Genossenschaft gegründet.  
1911 In Deutschland gibt es 30 000 Arbeitergärten, wobei Berlin durch das dortige Wirken des "Vaterländischen Frauenvereins" Bedeutung erlangt. Den Pächtern stehen neben Spielplätzen, Unterkunfts- und Versammlungsräumen, Einkaufsgenossenschaften und Büchereien auch Brandkassen, Klinikfreibetten und Sparkassen zur Verfügung.  
1914   Nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs durften auch die Frauen der Soldaten an den Versammlungen der Gartenvereine teilnehmen.
1916   Die Versuch einer besseren Bindung der Arbeiter an die Firma führt zur Einführung von „Betriebsgärten“. Treptower Beispiele dafür sind die Schultheissbrauerei in Niederschöneweide und die Wäscherei Spindler in Oberspree.
1919 20. Oktober: Die „Berliner Laubenkolonisten“ nennen sich in „Zentralverband der Kleingartenvereine Deutschlands“ um. Dabei werden 16 Bezirksverbände geschaffen, die dem „Gauverband Berlin“ unterstellt sind.

31. Juli Verabschiedung der „Kleingarten- und Kleinpachtlandordnung“ (KGO)
In Treptow wird ein Kleingartenamt gebildet.
1920   Nach dem Groß-Berlin-Gesetz werden große Teile der umliegenden Landkreise dem Stadtgebiet Berlin angeschlossen. Dabei werden die Stadt in 20 Verwaltungsbezirke eingeteilt. Ein Bezirk ist Treptow.

Als einziger Bezirk hatte Treptow zwei
Bezirksverbände: Neukölln-Treptow, mit dem Sitz in der Böhmischen Straße in Neukölln und Treptow-Süd-Ost, Sitz in der Wilhelminenhofstraße in Oberschöneweide.
1921 Berlin hat 3,8 Mio. Einwohner, davon sind 50.000 Kleingärtner.

15. Mai Im Neuköllner Rathaus findet eine Reichskonferenz der Kleingartenvereine Deutschlands statt. Hier wird die Gründung des „Reichsverbandes der Kleingartenvereine Deutschlands (RVKD)“ für den 14. August 1921 in Bremen vorbereitet.
 
1923 Der Magistrat von Berlin legt eine Bodenbewertungstabelle vor, nach der die Pachtpreise gestaffelt waren. Die Kleingärtner zahlten zwischen 2 und 9 Pfennig pro m2.  
1924 Der Magistrat verbietet in den Innenstadtbezirken (Mitte, Pr’Berg, Wedding, Fr’hain, Kreuzberg, Tiergarten) den Bau von Gartenlauben. Kleingärten an der Parkstraße, der Neuen Krugallee und an der Baumschulenstraße sollen die Kleingartenanlagen zugunsten des Wohnungsbaues geräumt werden. Es kommt zu einer großen Protestveranstaltung.
Die Wohnungen wurden trotzdem gebaut. 
1926 Erste „Grüne Woche“ findet in Berlin statt. Dort sollen auch die Erfolge der Kleingärtnerbewegung in der Stadt gezeigt werden. Wegen der Erweiterung des Friedhofs in der Kiefholzstraße müssen einige Kolonien aufgegeben werden (Kaiserkolonie, Marienthal III und Pflanzerverein Königsheide). Nur durch massiven Druck auf das BA Treptow wurde erreicht, dass eine Entschädigung gezahlt wird.
1928   In Treptow gibt es 8.500 Kleingartenparzellen auf 383 ha.
1929   5% der Treptower Einwohner leben in Gartenlauben.
1932 Während der Weltwirtschaftskrise herrscht große Wohnungsnot in Berlin: 35.000 Familien leben als Dauerwohner in ihren Lauben.  
1933 In Berlin werden alle bestehenden Vereine in die „Provinzgruppe der Kleingärtner Berlin-Brandenburg und Grenzmark e.V.“ überführt. Mit der Gleichschaltung der Kleingartenvereine werden auch die Strukturen umgestaltet. Die Vereine der Stadtgruppe werden nach territorialen Gesichtspunkten in Blocks zusammengefasst. Innerhalb dieser Blocks werden die Vereine zu Abteilungen.
Die Stadtgruppe Neukölln-Treptow besteht aus 28 Blöcken und 19 Einzelvereinen.
1936   In Treptow gibt es 8.700 Kleingartenparzellen auf 347 ha.
1946 15. Januar Die Alliierte Kommandatur genehmigt einen Verband für Kleingärtner in Berlin.
6. Juni Eintrag des „Zentralverbandes der Kleingärtner, Siedler und bodennutzenden Grundbesitzer e.V.“ in das Vereinsregister beim Amtsgericht
28. Juli Auf der Generalversammlung des Bezirksverbandes Berlin-Süden wird die Trennung der Kleingartenorganisationen von Treptow und Neukölln beschlossen.

3. November Der Bezirksverband Berlin-Treptow nimmt seine Arbeit auf.
1948 Die Währungsreform in Westberlin führt auch bei den Kleingartenorganisation zur Teilung - der Vorstand des Zentralverbandes verlegt seinen Sitz von Mitte nach Wilmersdorf. In Ost und West wird dieser Vorgang sehr unterschiedlich bewertet Der Bezirksverband Treptow hat einen eigenen Stand auf der Grünen Woche.
1949 Der Zentralverband (West) schließt sich der Dachorganisation der Westzonen an. September Im Eierhäuschen an der Spree findet die Treptower Ernteschau statt.
1950 Der Zentralverband (Ost) fordert, dass die besonders in Berlin verbreitete Bezeichnung „Kolonie“ nicht mehr verwendet werden soll. Stattdessen soll „Kleingartenanlage“ verwendet werden.  
1954   Wegen der Wohnungsnot lebten in Treptow 2735 Kleingärtner ständig in ihren Lauben.
1959 Die Ostberliner Kleingartenorganisation schließt sich im gleichen Jahr dem VKSK an.  
1961 Eine Folge der Mauer: ca. 6000 der 75.000 Kleingärtner in Berlin (Ost) wohnten in Berlin (West) und konnten jetzt nicht mehr auf ihre Parzelle. Von den auf den Mauerbau folgenden Grenzsicherungsmaßnahmen ist besonders Treptow betroffen. Zwei Drittel der Kleingärten befinden sich in Grenznähe. Viele Anlagen in der Heidelberger/Ecke Treptower Straße oder Wildenbruchstraße sowie Harzer/Ecke Bouchéstraße werden unmittelbar nach dem Mauerbau geräumt.
1977   In sechs Kleingartenanlagen werden Ankaufstellen für Obst und Gemüse eingerichtet.
1981   Die Wartezeit der Interessenten für einen Kleingarten beträgt bis zu zehn Jahren.
1990 7. Juli wird der Verband der Garten- und Siedlerfreunde e.V. (VGS) in den ostberliner Bezirken gegründet, der vorher bestehende VKSK wurde im Dezember aufgelöst.  
1991 Bis auf einen (Nord-Ost) treten alle Berliner Bezirksverbände dem „Landesverband Berlin der Gartenfreunde“ bei.